Führung im Friedhofspark am 18. März 2026 um 16:30 Uhr
Treffpunkt am Gedenkstein eingangs des Parks
Führung: Olaf Schlunke, Anne-Kathrin Pauk
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Demokratiegeschichte auf dem Friedhof Pappelallee, Berlin Prenzlauer Berg
Vom Vormärz bis zum 48er-Barrikaden-Urban
Ein Rundgang auf den Spuren freireligiöser Persönlichkeiten im Banne der Revolution
von 1848 – Friedrich Ludwig Urban, Robert Brauner und Agnes Wabnitz
 
Die Geschichte der freireligiösen Bewegung ist eng mit der deutschen Demokratiegeschichte verbunden. Der Rundgang möchte diesen Spuren nachgehen.
Der erste Vorsteher der deutschkatholischen (später freireligiösen) Gemeinde Berlin, Robert Brauner (1816-1854), gehörte mit Johannes Ronge, Robert Blum und anderen zu denjenigen, die im Vormärz nicht nur ein dogmenfreies Christentum, sondern auch politische Gleichberechtigung und Partizipation forderten.
1849 erinnerte Brauner in einer mutigen Gedenkrede an die gefallenen Revolutionäre des März 1848.
Friedrich Ludwig Urban (1806-1879), Tierarzt und Begründer einer Berliner 'Urchristengemeinde', stand 1848 selbst auf den Barrikaden und unterstützte die revolutionäre Bewegung in Berlin.
Deren Fanal auf dem Friedhof der Märzgefallenen nahm die sozialdemokratische Rednerin und Gewerkschafterin Agnes Wabnitz (1841-1894) 46 Jahre später zum Anlass, diese Gedenkstätte der Berliner Arbeiterbewegung zum Ort ihres Freitodes zu wählen.
Unter Anteilnahme von über 40.000 Menschen wurde sie auf dem Freireligiösen Friedhof in der Pappelallee beigesetzt.


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Fotos: Stefan Dietz
Agnes Wabnitz
180. Geburtstag am 10. Dezember 2021
Wir gedenken des Mitglieds unserer Gemeinde.

So bedeutend sie war, so unbekannt ist sie heute. Wenig ist direkt von ihr überliefert – es gibt nur ein einziges Foto! – aber vieles von ihrer Wirkung, der einer Frau mit ungeheurer Ermutigungskraft, die die armen, benachteiligten Frauen des Berliner Proletariats im Kampf um Stimme, um Rechte bestärkte, die ganz praktisch menschliche Hilfe und genossenschaftliche Zusammenarbeit organisierte.

Ihr Grabstein steht links vor dem Portal der Feierhalle, etwa in der Parkmitte. Das ist nicht die Grabstelle. Nach der Umgestaltung der Reste unseres Friedhofs zum heutigen Friedhofspark sind dieser und weitere Grabsteine dort aufgestellt worden.

Auf dem Grabstein lautet das Geburtsjahr 1842, die Wabnitz-Biografen belegen anhand der Quellen einhellig aber das Jahr 1841.

Wegen ihrer Rednertätigkeit geriet Wabnitz mit den staatlichen Autoritäten in Konflikt. 1892 wegen Majestätsbeleidigung zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt und verhaftet, trat sie in Hungerstreik. Die Polizei veranlasste Zwangsernährung in der Charité, später die Einweisung in die Irrenanstalt Dalldorf. Ein Entmündigungsverfahren scheiterte. 1894 verwarf das Reichsgericht die Berufung gegen ihre Verurteilung.

Vor dem erneuten Strafantritt am 28.08.1894 setzte Agnes Wabnitz ihrem Leben ein Ende – auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Friedrichshain. Zuvor hatte sie sich ihr eigenes Totenhemd genäht.

Am 2. September 1894 kamen nach Schätzung des »Vorwärts« mehr als 40.000 Menschen zum Begräbnis von Agnes Wabnitz auf diesem Friedhof, andere Quellen nennen gar 60.000 Teilnehmer – das war de facto die größte politische Demonstration in Berlin bis dahin.

»Der willensstarke Geist trennte sich von der Hülle,« schrieb der Vorwärts, »weil die Gesellschaft, welche die ‚Agitatorin‘ mit ihrem ganzen Hasse verfolgt, nicht den Triumph noch geniessen sollte, sie langsam zu Tode zu martern.“ In »Freiheit du siegst: Leben und Sterben der Agnes Wabnitz« von Klaus Kühnel – wir empfehlen gern die Lektüre, heißt es, in die historische Situation einordnend: »Die Agitatorin Agnes Wabnitz war zum Idol und durch ihren freiwilligen Tod zur Märtyrerin der Sozialdemokratie geworden«.

Wir erinnern an diese mutige Frau, wir ehren ihr Andenken!

Wir erarbeiten ein Forschungsprojekt, um mehr über Agnes Wabnitz zu erfahren. Wir suchen Kooperationspartner und interessierte Mitbürger. Melden Sie sich gern bei uns.

Der Vorstand


Vereinsname

Am 18. September 2018 hat die Gemeinde eine Namens- und entsprechende Satzungsänderung vorgenommen. Der bisherige Name „Freireligiöse Gemeinde Berlin e.V. gegr. 1845 - Freigeistige Gemeinschaft“ wurde geändert.

Der Name lautet seitdem "Freigeistige Gemeinschaft Berlin e.V. gegr. 1845 - Freireligiöse Gemeinde“.

Unser Verein möchte damit seinen Zweck und sein Anliegen klarer im Titel nennen. Wir sind ein Verein, eine konfessionsfreie Gemeinschaft bzw. Gemeinde. Die Tradition des Begriffs freireligiös ist nicht ohne Erklärung zu erschließen. Wir pflegen sie, weshalb sie im Untertitel erhalten bleibt. Aber unser Streben nach Freiheit des Geistes, nach einem Denken ohne Dogmen ist mit dem neuen Namen allgemeinverständlicher, und das zählt.


Vorstand | gewählt am 20. Dezember 2025

Vorsitzende | Anne-Kathrin Pauk
Stellvertretende Vorsitzende | Ingo Oberdorf & Stefan Dietz


 



Im Lukas Verlag erwerben: 

Der Pappelfriedhof in Prenzlauer Berg
Eine kleine Berliner Stadt-Geschichte


Autorin: Christiane Baumann
Erschienen im 
Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte - 2016
ISBN: 
978-3-86732-226-3
 

In der Pappelallee in Berlin - Prenzlauer Berg gibt es mit dem Friedhofspark der Freireligiösen Gemeinde nicht nur ein Stück Grün in der Stadt zu entdecken, sondern Spuren einer langen Geschichte. Von den meisten der hier seit 1848 Beerdigten kennen wir nur die Namen, von einigen aber wissen wir mehr. Bei näherem Hinschauen werden Querverbindungen und Bezüge sichtbar, die weit über Berlin hinausreichen: zu Personen und Debatten aus Religion, Kultur und Politik im deutschsprachigen Raum des 19. Jahrhunderts.

Die Gemeinde der Berliner Freireligiösen, 1845 im Vorfeld der Revolution entstanden, wandelte sich früh von einer deutsch-katholischen zu einer freien Gemeinde für Dissidenten und Abtrünnige beider christlichen Kirchen und des Judentums. Religionskritik, Gemeinschaftssinn und Bildungsdrang sind seit je wichtige Säulen ihres Selbstverständnisses und Wirkens. Anfangs noch gutbürgerlich geprägt, waren nach 1848 vor allem Handwerksmeister, Ladenbesitzer und Kleinbürger aktiv; zunehmend traten auch einfache Arbeiter mit ihren Familien bei. Zu Zeiten des Sozialistengesetzes fanden Lassalleaner und die Anhänger der jungen Sozialdemokratie hier ihre Ersatzkirche – zeitgleich zum Bau der Arbeiterquartiere im nahen Umfeld des Friedhofs. Legendär ist der enorme Bildungshunger der Freireligiösen. Das Pathos, mit dem dieser Wissensdrang einherging, mag heute seltsam anmuten. Der Impuls dahinter jedoch ist ein urdemokratischer, dessen Vorgeschichte unsere eigene ist.
 

 


Ida Altmann Bronn


Ida Altmann-Bronn
Freireligiöse Lehrerin, Freidenkerin, Gewerkschafterin, Schriftstellerin

Skizzen eines Lebens, dargestellt von Johannes Nebmaier
 

Bisher gehört Ida Altmann leider nicht zu jenen Persönlichkeiten, die in der deutschen historischen Literatur eine besondere Aufmerksamkeit erfahren haben. Johannes Nebmaier, der Autor der vorliegenden Publikation, ist ein Nachfahre der Familie Altmann. In seinem persönlichen Archiv befinden sich zahlreiche Dokunente (Briefe, Polizeidokumente), auf deren Grundlage hier erstmals Lebensstationen und Befindlichkeiten Ida Altmanns, aber auch ideelle und politische Zusammenhänge der freigeistigen, der gewerkschaftlichen und der sozialdemokratischen Bewegung in den Jahren nach 1890 besser verständlich werden.

Und natürlich wird auch das Verhältnis Ida Altmanns zu ihrem Lebensgefährten und späteren Ehemann, Jegor Bronn, sowie ihr Engagement für die Unterstützung jüdischer Schriftsteller in den letzten Jahren der Weimarer Republik und am Beginn der Nazi-Herrschaft in Deutschland dargestellt.



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Schafft hier das Leben gut und schön,
Kein Jenseits ist, kein Aufersteh'n.
 

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